Das ist alles nur geklaut!

Hatecore hat seinen Ursprung in der linksalternativen Szene. Die Nazis konnten ihn sich zu eigen machen, indem sie bestimmte Merkmale adaptierten.

Aggressiver Klang

Das wohl am herausstechensten und für jeden sofort wahrnehmbare Merkmal ist der aggressive Klang der Musik. Mit schnellem Beat und Gitarrenriffs versucht Hatecore Impulse in seinen Zuhörern zu erwecken.
Dies eignet sich hervorragend als Ventil für Hass und Wut – ursprünglich gegenüber gesellschaftlicher Missstände. Es wurden lediglich die Inhalte abgeändert bzw. ausgetauscht, damit Hatecore als Untermalung für Rassenhass, Antisemitismus und Sexismus dienen kann.
Bei NS-Hatecore-Konzerten ist oft ein sehr aggressiver und brutaler Tanzstil zu beobachten. Neonazis benutzen dies nicht um ihre Wut und ihren Hass gegenüber z.B. Homophobie zu äußern, sondern eher um zu zeigen, wer mehr Mann ist – wer stärker ist – wessen Brust am döllsten schwellen kann – ja, wer die dicksten Eier hat.
Frauen sind bei diesem Imponiergehabe unerwünscht.

Internationales Flair in den Texten

Was früher noch fast verpöhnt war, ist heute in der NSHC- Szene normal geworden – es wird vorwiegend in englischer Sprache gesungen. Um internationalen Lifestyle zu erlangen, scheuen sich die stolzen Deutschen nicht in einer anderen Sprache als ihrer Muttersprache zu singen.
Als erstes erprobte dies die Bamberger Band „Hate Society“. Der Sänger Bernd Peruch wollte seiner Band internationales Flair verleihen und seinen US-amerikanischen Vorbilder nacheifern.

Doch nicht nur die Sprache änderte sich. Es wurden nicht mehr offensive NS-Parolen ins Mikro gebrüllt, sondern mehr Wert auf dezenten Bekenntnissen und Codierungen gelegt. Eher versteckt durchs Hintertürchen wird zu Rassenhass, Antisemitismus und Gewalt gegen Linke aufgerufen.
Die Neonazi-Band „Path of Resistance“ (aus Rostock) verwendete z.B. als Intro in ihrem Song „Payback Time“ einen Melodiepart aus dem Spielfilm „American History X“, der in der Szene zu hören ist, als das sogenannte „Bordsteinbeißen“ thematisiert wird. Für Kenner_innen ist es kein Problem dieses Symbol zu entschlüsseln, für Außenstehende, die vor allem diesen Film nicht kennen, ist es umso schwieriger den Aufruf zur Gewalt gegen Farbige zu erkennen.

Lifestyle and more

Viele Menschen haben noch das Bild vom Stereotyp Neonazi im Kopf: Glatze, am besten frisch poliert, Springerstiefel, bevorzugt mit weißen Schnürsenkeln und Bomberjacke. Das selbst dieser Style von der eher linksorientierten Skinheadbewegung abgekupfert ist, liegt auf der Hand. Die heutigen Neonazis der NSHC-Szene schmücken sich hingegen mit Federn aus der linken Hardcore-Szene. Was früher ein Zeichen für Ausgestoßene und Kriminelle war, ziert heutzutage die Haut von Neonazis – Tattoos und Piercings.
Hatecore hat sich zu einem modischen und zeitgemäßen Stil der Rechten entwickelt, der es leicht hat, bei einer breiten jugendlichen Masse Anklang zu finden.

Doch nicht nur die Klamotten werden übernommen, auch der Lebensstil „Straight Edge“. Der Verzicht auf Alkohol, Drogen und sogar auf tierische Produkte wird propagiert. Für sie stellt dies eine Art Selbstdisziplin dar, die Beherrschung und Reinhaltung des eigenen Körpers. Außerdem ist es nicht neu, dass Neonazis ökologische Themen bedienen.

Ihr seid am Zug!

Wie nun ersichtlich wird, ist es immer schwieriger NSHC-Bands zu entlarven und die Symbole richtig zu deuten. Oft unterscheiden sich die Fans äußerlich nur durch einen kleinen Button am Basecap. Die Texte lassen immer mehr Interpretationsspielraum und es reicht oft nicht mehr, sich nur auf sein Gehör zu verlassen. Erschwert wird dies dann noch durch die Verwendung der englischen Sprache. Selbst die CD-Cover versprechen schon lange keine Klarheit mehr.

Wichtig ist es, dass ihr euch mit den Bands intensiv beschäftigt. Keine Panik, das klingt vielleicht schlimmer, als es ist.

Es gibt ein paar einfache Dinge, die für euch die politische Zugehörigkeit einer bestimmten Band eindeutig machen. Es ist nur wichtig, dass ihr aufmerksam auf diese Dinge achtet und alles hinterfragt.

Wenn ihr z.B. auf einem Konzert seid, dann schaut euch doch einfach mal das Publikum um euch herum an. Tragen die vielleicht eindeutige Aufnäher oder Buttons, was quatschen die denn so? Werden im Publikum rechte Parolen angestimmt? Und tut die Band was dagegen? Macht die Band eindeutige Ansagen um einige Songs anzukündigen?
Im Zeitalter von Web 2.0, benutzen auch viele Bands für jeden leicht zugängliche Internet-Plattformen, auf denen ihr euch über die Bands informieren könnt. Hier solltet ihr insbesondere auf die Fotos der Bands und ihr Freundeslisten achten. Oftmals sind hier schon erste fragwürdige Posen oder Menschen zu finden. Doch aufgepasst – nicht jede Band macht sich die Mühe Freundesanfragen gründlich zu prüfen. Eine Zugehörigkeit zur Rechten Szene ist erst nach einem entsprechendem Gesamteindruck anzunehmen.
Es ist auch oft ganz hilfreich den Namen der Band durch diverse Suchmaschinen zu jagen. Vielleicht haben ja bereits Antifaschist_Innen über die gesuchte Band berichtet.
Manchmal genügt es sich einfach mehrere Songs anzuhören. Denn es kann durchaus sein, dass sie in dem einen über den Verzicht auf Alkohol und Drogen singen und ein Lied später offen rassistisch hetzen.

Zeigt Neonazis, dass in eurer Szene kein Platz für menschenverachtende Ideologien ist.
Hardcore bleibt NAZIFREI!